Gedächtniskapelle “Maria, Königin des Friedens” oder Steinlingkapelle

Auf einer baum­lo­sen, grü­nen Anhö­he öst­lich der Stein­lin­g­alm, direkt unter­halb des impo­san­ten Chiem­gau-Kreuzes, steht die klei­ne Gedächt­nis­ka­pel­le „Maria, Köni­gin des Frie­dens“. Was heu­te wie ein fes­ter, alt­ein­ge­ses­se­ner Bestand­teil der Kam­pen­wand-Kulis­se wirkt, ist das Ergeb­nis eines jahr­zehn­te­lan­gen Traums und eines bei­spiel­lo­sen ehren­amt­li­chen Kraft­akts der Chiem­gau­er Bevöl­ke­rung.

Die Idee zum Bau des Kirch­leins geht auf den Höslwan­ger Schmie­de­meis­ter Josef Hell zurück, der im Jahr 1950 das Chiem­gau-Kreuz erbaut hat­te. Schon damals heg­te er den tie­fen Wunsch, dass direkt bei dem alten Feld­kreuz (Mar­terl) auf der Anhö­he neben der Alm eine Kapel­le errich­tet wer­den sol­le, um den jähr­li­chen Gedenk­mes­sen für die Gefal­le­nen und Ver­miss­ten der Welt­krie­ge einen wür­di­gen Rah­men zu geben.

Hell trieb das Vor­ha­ben zeit­le­bens vor­an und ließ im Jahr 1960 sogar aus einer Lin­de bei Höslwang eine Mari­en­sta­tue für das geplan­te klei­ne Kirch­lein schnit­zen. Ein ers­ter offi­zi­el­ler Bau­an­trag, den das katho­li­sche Pfarr­amt Nie­der­aschau 1964 ein­reich­te, schei­ter­te jedoch: Die not­wen­di­ge Umla­ge von 16.320 DM kam schlicht­weg nicht zusam­men. Als Josef Hell am 20. Febru­ar 1965 ver­starb, äußer­te er noch auf dem Ster­be­bett den ein­dring­li­chen Wunsch nach die­sem Kapel­len­bau – erle­ben durf­te er ihn nicht mehr.

Es ver­gin­gen fast wei­te­re zehn Jah­re, bis das Pro­jekt im Spät­som­mer 1975 neu­en Auf­wind bekam. Am 14. Sep­tem­ber 1975 – direkt nach der jähr­li­chen Gedenk­mes­se – kam das Gespräch im Hin­blick auf das anste­hen­de 25-jäh­ri­ge Jubi­lä­um des Chiem­gau-Kreuzes erneut auf den Kapel­len­bau. Gleich­zei­tig stieß das The­ma beim Chiem­gau-Alpen­ver­band auf offe­ne Ohren: Die Tracht­ler erklär­ten sich spon­tan bereit, eine Glo­cke für die Kapel­le zu stif­ten.

Um das Groß­pro­jekt logis­tisch zu stem­men, grün­de­ten die Ers­ten Bür­ger­meis­ter Ste­fan Rie­plhu­ber (Höslwang) und Karl Bau­er (Aschau i.Chiemgau) einen tat­kräf­ti­gen Arbeits­kreis. Dem Gre­mi­um gehör­ten neben den bei­den Bür­ger­meis­tern fol­gen­de Per­so­nen an: MdL Franz Neu­bau­er, Land­rat Georg Knott, Bau­di­rek­tor Peter Frank und Hel­mut Loo­se vom Land­rats­amt, Hans Hell und Franz Schaff­ner aus Höslwang, Pfar­rer Niko­laus Desch­ler aus Aschau, Gün­ter Alt­mann (Kreis­vor­sit­zen­der der Vete­ra­nen- und Sol­da­ten­ge­mein­schaft), Sieg­fried Sim­met von der Ver­wal­tung Cra­mer-Klett als Grund­ei­gen­tü­mer, Ing. Franz Zbil von der Kam­pen­wand­bahn, Josef Mül­ler von der Stein­lin­g­alm, Peter Bichl aus Ber­nau, Toni Feistl für den Chiem­gau-Alpen­ver­band, Bür­ger­meis­ter Lud­wig Thu­spaß aus Prut­ting sowie Schorsch Noichl und Kas­par Öttl als Mit­ar­bei­ter der Gemein­de Aschau i.Chiemgau.

Am 30. Okto­ber 1975 leg­te der Arbeits­kreis bei einer Orts­be­ge­hung den end­gül­ti­gen Stand­ort am Feld­kreuz fest. Die Trä­ger­schaft über­nahm die Gemein­de­ge­mein­schaft Höslwang und Aschau. Kreis­bau­di­rek­tor Peter Frank fer­tig­te die Plä­ne an, die eine Archi­tek­tur vor­sa­hen, die sich so natür­lich in die Land­schaft ein­fü­gen soll­te, als hät­te das Gebäu­de schon immer dort gestan­den. Nach­dem der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer Baron Ras­so Frei­herr von Cra­mer-Klett sein Ein­ver­ständ­nis gege­ben hat­te, dass das Kirch­lein auf sei­nem Boden errich­tet wer­den durf­te, stand dem Bau­vor­ha­ben nichts mehr im Weg. Es hät­te wohl kaum einen schö­ne­ren Bau­platz geben kön­nen als in der traum­haf­ten Kulis­se unter­halb des Gip­fel­kreu­zes mit einem atem­be­rau­ben­den Blick auf den Chiem­see.

Am 28. Mai 1976 began­nen schließ­lich die Bau­ar­bei­ten auf dem Berg. Da es kei­ne ein­fa­chen Zufahrts­we­ge gab, muss­ten rund 40 bis 50 Ton­nen Bau­ma­te­ri­al unter extre­men Bedin­gun­gen bewegt wer­den. Der Arbeits­kreis schaff­te es, die Material‑, Trans­port- und Arbeits­kos­ten (Gesamt­wert ca. 30.000 DM) fast voll­stän­dig durch Spen­den und Frei­wil­li­gen­leis­tun­gen abzu­de­cken – so spen­de­te bei­spiels­wei­se das Zement­werk Rohr­dorf den gesam­ten Zement.

Das Beson­de­re an der Kapel­le ist ihre Ver­bun­den­heit mit dem Berg selbst: Das äuße­re Mau­er­werk wur­de aus Bruch­stei­nen des nahe­ge­le­ge­nen „Staf­fel­steins“ errich­tet, einem mar­kan­ten Fels­turm an der Nord­sei­te der Kam­pen­wand. Beim Trans­port die­ser Stei­ne bewie­sen die Arbei­ter Humor und Prag­ma­tis­mus: Sie spann­ten regel­mä­ßig die vor­bei­wan­dern­den Aus­flugs­gäs­te ein. Da die­se ohne­hin von der Berg­sta­ti­on zur Stein­lin­g­alm spa­zier­ten, wur­den sie char­mant ani­miert, ein paar Bruch­stei­ne zur Bau­stel­le zu tra­gen, was die meis­ten Wan­de­rer ger­ne taten.

Die eigent­li­chen Mau­rer­ar­bei­ten über­nahm die Fir­ma Gas­tei­ger aus Aschau, tat­kräf­tig unter­stützt von zahl­rei­chen Frei­wil­li­gen aus Höslwang, Aschau, Prut­ting und Ber­nau, die fast jedes Wochen­en­de unent­gelt­lich mit­schuf­te­ten. Im August 1976 errich­te­ten die Zim­me­rer der Fir­men Sto­cker (Prien) und Schaus­breit­ner (Aschau) in ihrer Frei­zeit den kunst­vol­len Dach­stuhl. Das Dach wur­de tra­di­tio­nell mit Holz­schin­deln der Fir­ma S. Eder aus Pit­ten­hart gedeckt. Zum Abschluss fand auch die im Jahr 1960 von Josef Hell in Auf­trag gege­be­ne, lie­be­voll geschnitz­te Madon­na als „Köni­gin des Frie­dens“ end­lich ihren ange­stamm­ten Platz im Inne­ren der Kapel­le.

Am Sonn­tag, den 12. Sep­tem­ber 1976, pünkt­lich zur 25. Jubi­lä­ums-Kreuz­mes­se, erleb­te die Regi­on bei strah­len­dem Herbst­wet­ter die fei­er­li­che Ein­wei­hung. Tau­sen­de Men­schen ström­ten auf den Berg. Um das klei­ne Kirch­lein schar­ten sich rund 50 Fah­nen­ab­ord­nun­gen von Krie­ger- und Sol­da­ten­ka­me­rad­schaf­ten, die Aschau­er Gebirgs­schüt­zen­kom­pa­nie sowie zahl­rei­che Poli­ti­ker und Ehren­gäs­te.

Wer sich für die span­nen­de Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Stein­ling­ka­plle und die Prot­ago­nis­ten inter­es­siert, dem legen wir ans Herz, unter dem But­ton His­to­rie den Zeit­strahl oder die Per­so­nen mit vie­len detail­lier­ten Infor­ma­tio­nen und Bil­dern zu ent­de­cken.