Der Bau des Chiemgau-Kreuzes 1949

Wenn schon ein Mahn­mal für die Gefal­le­nen bei­der Welt­krie­ge aus dem Chiem­gau ent­ste­hen soll­te, dann gleich ein „g’scheids“ – dies schien die ein­hel­li­ge Mei­nung der Initia­to­ren gewe­sen zu sein. Dach­te der Höslwan­ger Schmied Josef Hell anfäng­lich noch an ein Kreuz von etwa vier Metern Höhe, wuchs das Vor­ha­ben nach kur­zer Zeit und meh­re­ren Gesprä­chen zu einem Pro­jekt in Aus­ma­ßen her­an, die es auf den baye­ri­schen Ber­gen bis dahin noch nicht gege­ben hat­te. Allein der Stamm soll­te den Gip­fel­fel­sen nach dem Zusam­men­bau inklu­si­ve Sockel um zwölf Meter über­ra­gen! Das geplan­te Chiem­gau-Kreuz, für das der Schmied auch ein Anschau­ungs­mo­dell anfer­tig­te (wel­ches heu­te im Rat­haus Höslwang aus­ge­stellt ist), bestand aus meh­re­ren Ele­men­ten: dem Sockel, dem Stamm, dem lin­ken und rech­ten Quer­bal­ken sowie der zen­tra­len Rau­te. Auf die­ser Rau­te soll­ten spä­ter die Gedenk­ta­feln der Gemein­den auf­ge­schweißt wer­den, die sich finan­zi­ell an dem Pro­jekt betei­lig­ten.

Beim Bau der Kreuz­tei­le bewies Schmie­de­meis­ter Josef Hell gro­ßen Erfin­der­geist in der kar­gen Nach­kriegs­zeit und ver­wen­de­te größ­ten­teils Alt­ei­sen – über­wie­gend aus­ein­an­der­ge­schnit­te­ne Sau­er­stoff­fla­schen. Über­all und bei jeder Gele­gen­heit sam­mel­ten er und sei­ne Hel­fer Eisen und Metall­tei­le, die ihnen für das Vor­ha­ben geeig­net erschie­nen. Für den mas­si­ven Sockel zer­teil­te der Schmied bei­spiels­wei­se die Stahl­plat­ten-Res­te eines Pan­zers.

Im Okto­ber 1949 berich­te­te die Chiem­gau-Zei­tung beein­druckt über das Ent­ste­hen des Werks:

„So bau­te Schmie­de­meis­ter Hell mit einem treu­en Hel­fer ein gewal­ti­ges Kreuz aus Eisen, 12 m hoch und 3,5 m breit, des­sen Bal­ken allein eine Brei­te von rund 60 cm auf­wei­sen. Die inne­re Trag­röh­re hat schon einen Durch­mes­ser von 15 cm, an das die eiser­nen Bal­ken­flä­chen ange­schweißt sind, deren Ein­fas­sun­gen enge­re Röh­ren bil­den. Die Bal­ken­en­den des Kreuzes sind geziert mit gro­ßen kup­fer­nen Kugeln .….“

Obwohl in dem Zei­tungs­be­richt bereits erwähnt, war das Anbrin­gen der kup­fer­nen Kugeln zu die­sem Zeit­punkt ledig­lich geplant – sie lager­ten lan­ge Zeit in Höslwang und wur­den erst Jah­re spä­ter mon­tiert.

Im Som­mer 1949 waren die hand­werk­li­chen Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten schließ­lich abge­schlos­sen. Um die­ses über­di­men­sio­na­le Denk­mal fer­tig­zu­stel­len, inves­tier­ten Schmie­de­meis­ter Josef Hell und sei­ne treu­en Hel­fer schät­zungs­wei­se rund 2.000 Arbeits­stun­den.