
Herr Schied
Der ursprüngliche Sinn von Krieger — Soldaten und Veteranenvereine lag darin vorallem nach den Kriegen des 19. und 20. Jahrhunderts als soziale Hilfswerke für Heimkehrer und Kriegsopfer zu sorgen. Um den Betroffenen vor Ort Halt und Unterstützung zu bieten, wurden damals zahlreiche regionale Vereine und Verbände gegründet.
Besonders nach den beiden Weltkriegen waren diese Vereinigungen eine unverzichtbare Stütze für viele Chiemgauer. In genau einer solchen von Entbehrung geprägten Zeit, unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, wurde auch das erste hölzerne Gipfelkreuz auf der Kampenwand als Mahnmal für die Opfer errichtet. Vor diesem Hintergrund war es kaum verwunderlich, dass die Höslwanger Kreuzbauer Josef Hell und Franz Schaffner nach dem Zweiten Weltkrieg alles daransetzten, das zwischenzeitlich zerstörte, tief verwurzelte Symbol auf dem Ostgipfel so schnell wie möglich zu erneuern.
Die Soldaten- und Veteranenvereine der Chiemgaugemeinden sowie ihre regionalen Dachverbände waren von jeher treue Unterstützer des Chiemgau-Kreuzes. Mit dem Einzug eines stabileren Friedens in der Region wandelte sich die Rolle dieser Vereine: Sie wurden immer mehr zu Mahnern und Bewahrern des Gedenkens. Ihre zentrale Aufgabe war und ist es, die Erinnerung an die Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft wachzuhalten, um solche Tragödien für die Zukunft zu verhindern – sei es durch die Pflege von Kriegerdenkmälern oder die Ausrichtung feierlicher Gedenktage.
25 Jahre nach Errichtung des Chiemgauer-Kreuzes taten sich diese Vereinigungen erneut besonders hervor, um 1976 den Bau einer Friedenskapelle tatkräftig zu unterstützen.
Als Mitglied des damaligen Arbeitskreises vertrat Günter Altmann, der 1. Obmann der Krieger‑, Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften des Landkreises Rosenheim, engagiert die Interessen dieser Verbände.
Seine Kollegen aus den Ortsvereinen luden derweil nach Fertigstellung der kleinen Kirche, Hand in Hand mit den ausrichtenden Gemeinden, die Chiemgauer Bevölkerung zur feierlichen Weihe der neuen Steinlingkapelle ein.
Die Vereinsvorstände Herr Hailer (Soldaten- und Kriegerkameradschaft Aschau i.Chiemgau ) und Herr Schied (Krieger- und Soldatenverein Höslwang) begrüßten damals die zahlreichen Messebesucher. Gemeinsam mit den weiteren Soldaten‑, Veteranen- und Heimatvereinen des Chiemgaus schufen sie den Rahmen für eine einzigartig würdige und schöne Bergmesse.
Seit 12. September 1976 findet daher vor der Gedächtniskapelle „Maria, Königin des Friedens“ in der traumhaften Kulisse der Kampenwand der alljährliche Gedenkgottesdienst statt. Umrahmt von Gebirgsschützen, Trachten, Alphornbläsern und prächtigen Fahnenabordnungen führt man bis heute die stolze Tradition fort, die jährlich wechselnden, ausrichtenden Chiemgaugemeinden zu unterstützen.
