Hans Hell

Hans Hell

Hans Hell war der Sohn des Höslwan­ger Schmie­de­meis­ters Josef Hell. Gemein­sam mit sei­nem Vater und sei­nem Stief­bru­der Her­mann wur­de er zu einem der zen­tra­len Akteu­re eines bei­spiel­lo­sen Gemein­schafts­pro­jekts, dem Bau, dem Trans­port und der Auf­stel­lung eines der noch heu­te bekann­tes­ten Wahr­zei­chen der Regi­on, dem Chiem­gau-Kreuz.

Die Geburts­stun­de des Vor­ha­bens war 1948, als der Nach­bar und Schrei­ner­meis­ter Franz Schaff­ner seni­or bei einer Berg­tour das höl­zer­ne Vor­gän­ger­kreuz aus den 1920er-Jah­ren auf dem Ost­gip­fel der Kam­pen­wand in trüm­mer­haf­tem Zustand vor­fand. Es war von einem Blitz zer­stört wor­den. Zurück in Höslwang steck­te Schaff­ner die Fami­lie Hell mit dem Wunsch an, ein neu­es, bestän­di­ge­res Denk­mal zu errich­ten. Für die gelern­ten Hand­wer­ker der Schmie­de stand sofort fest: Das neue Kreuz muss­te aus Eisen geschmie­det wer­den. Die­ser Werk­stoff erschien Josef Hell und sei­nen Söh­nen wesent­lich halt­ba­rer und bestän­di­ger gegen das extre­me Berg­wet­ter zu sein als das wider­stands­fä­higs­te Holz. Nach­dem das gewal­ti­ge, zwölf Meter hohe Kreuz in der hei­mi­schen Schmie­de unter kar­gen Nach­kriegs­be­din­gun­gen – unter ande­rem aus alten Sau­er­stoff­fla­schen und Pan­zer­stahl – gefer­tigt und in Ein­zel­tei­len auf den Berg trans­por­tiert wor­den war, began­nen im Som­mer 1950 die eigent­li­chen Arbei­ten auf dem Gipfel. Unter der Lei­tung von Josef Hell, Franz Schaff­ner und vor allem ihren befreun­de­ten Söh­nen for­der­te das Pro­jekt von allen Betei­lig­ten einen Rie­sen­kraft- und Orga­ni­sa­ti­ons­auf­wand. Ohne mecha­ni­sche Hilfs­mit­tel wie Schlag­boh­rer oder Kom­pres­so­ren muss­ten die Fun­da­men­te müh­sam von Hand aus dem har­ten Fel­sen gemei­ßelt wer­den. Zudem muss­te jedes Scha­lungs­brett, jedes Werk­zeug, der Zement und sogar das Was­ser mit blo­ßen Hän­den und auf dem eige­nen Rücken von der Stein­lin­g­alm zum expo­nier­ten Gip­fel­grat getra­gen wer­den – ins­ge­samt eine gewal­ti­ge Mas­se von über 20 Ton­nen Mate­ri­al. Für den fina­len Auf­zug errich­te­ten die Män­ner auf dem Gipfel eine Gal­gen-Kon­struk­ti­on mit einem Seil­zug. Vie­le frei­wil­li­ge Unter­stüt­zer zogen mit dem moto­ri­sier­ten Seil­zug oder mit purer Kör­per­kraft das schwe­re Mate­ri­al frei schwe­bend über dem Abgrund nach oben, wäh­rend Hel­fer mit Brech­ei­sen ein Ver­fan­gen am Fels ver­hin­der­ten.

Wie extrem die­se kör­per­li­che Schin­de­rei und wie gefähr­lich sie war, ver­an­schau­li­chen noch heu­te Fotos und Berich­te des auf­wen­di­gen Trans­ports, vom Fuße der Kam­pen­wand bis zum Gipfel, gera­de noch recht­zei­tig vor Win­ter­an­fang. Eine enor­me Leis­tung, ohne die heu­te vor Ort befind­li­chen Zugangs­we­ge, Gon­del­bahn, tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten und Absi­che­run­gen, ging es hoch auf den 1.664 Meter hohen Ost­gip­fel.

Nach dem erfolg­rei­chen Zusam­men­schwei­ßen und Auf­stel­len am 24. Sep­tem­ber 1950 war die Erleich­te­rung und Freu­de so rie­sig, dass Hans Bru­der Her­mann über­mü­tig einen Hand­stand auf dem noch auf dem Grat lie­gen­den Kreuz voll­führ­te.

Die außer­ge­wöhn­li­chen Ver­diens­te der Erbau­er blie­ben nicht unbe­merkt. Als Schmie­de­meis­ter Josef Hell im Jahr 1955 im Gast­haus Gehr­lein in Höslwang fei­er­lich das Bun­des­ver­dienst­kreuz über­reicht wur­de, rück­te der Rosen­hei­mer Land­rat Georg Knott in sei­ner Lau­da­tio auch die Hel­fer der ers­ten Stun­de in den Fokus. Er hob her­vor, dass die­se hohe Aus­zeich­nung stell­ver­tre­tend für die engs­ten Unter­stüt­zer ent­ge­gen­ge­nom­men wur­de. Ganz beson­ders wür­dig­te der Land­rat dabei Josef Hells Söh­ne Her­mann und Hans sowie die Nach­bars­fa­mi­lie Schaff­ner, die gemein­sam das tra­gen­de Fun­da­ment des Kreuz­baus gebaut hat­ten.

Auf der baum­lo­sen, grü­nen Anhö­he öst­lich der Stein­lin­g­alm stand von jeher ein Feld­kreuz (Mar­terl). An genau die­ser Stel­le, so beton­te Josef Hell noch auf sei­nem Ster­be­bett, müs­se ein­mal eine Kapel­le gebaut wer­den, damit der Berg­got­tes­dienst für die Gefal­le­nen des Chiem­gaus einen wür­di­gen Rah­men erhal­te. Die­sen Wunsch heg­te er bereits seit der Errich­tung des Chiem­gau-Kreuzes auf dem Ost­gip­fel der Kam­pen­wand. Es soll­ten jedoch fast 25 Jah­re ver­ge­hen, bis sein Wunsch in Erfül­lung gehen wür­de. Der Kreuz­bau­er Josef Hell selbst erleb­te die Umset­zung lei­der nicht mehr, da er am 20. Febru­ar 1965 ver­starb. Auch Hans Bru­der Her­mann Hell ver­starb im Jahr 1974 lei­der viel zu früh.

So war es erneut der ver­blei­ben­de Sohn Hans, der wie die Ers­ten Bür­ger­meis­ter Ste­fan Rie­plhu­ber (Höslwang) und Karl Bau­er (Aschau i.Chiemgau) aktiv dabei mit­half, den Plan des Baus einer Frie­dens­ka­pel­le in die Tat umzu­set­zen.

Die Bür­ger­meis­ter grün­de­ten im Jahr 1975 einen Arbeits­kreis für den Bau der Stein­ling­ka­pel­le. Den bei­den Bür­ger­meis­tern gelang es, für die­ses Gre­mi­um kom­pe­ten­te Ver­tre­ter aus allen rele­van­ten Berei­chen zu gewin­nen und so ein tat­kräf­ti­ges Orga­ni­sa­ti­ons­team auf­zu­stel­len, wobei Franz Schaff­ner und Hans Hell als ein­zi­ge Mit­er­bau­er des Chiem­gau-Kreuzes die­sem Kreis ange­hör­ten.

Bereits ein Jahr spä­ter konn­ten die bei­den Bür­ger­meis­ter als Haupt­or­ga­ni­sa­to­ren, Hand in Hand mit ihrem Arbeits­kreis und zahl­rei­chen ehren­amt­li­chen Hel­fern, den Bau der Stein­ling­ka­pel­le „Maria, Köni­gin des Frie­dens“ erfolg­reich ver­wirk­li­chen und die­se im sel­ben Jahr wei­hen las­sen.