
Franz Schaffner
Das Chiemgau-Kreuz auf dem Ostgipfel der Kampenwand ist weit mehr als ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Region und ein lebendige Zeugnis eines außergewöhnlichen ehrenamtlichen Engagements, das in Höslwang seit nunmehr 75 Jahren von Generation zu Generation weitergereicht wird. Wenn heute von der leidenschaftlichen Pflege, Wartung und Modernisierung dieses geschichtsträchtigen Denkmals die Rede ist, fällt unweigerlich der Name der Familie Schaffner, die diese großartige Arbeit ehrenamtlich bis in die heutige Zeit mit hohem persönlichen und finanziellen Einsatz fortführt.
Alles begann im Jahr 1948 mit dem Großvater, dem Höslwanger Schreinermeister Franz Schaffner senior. Er entdeckte bei einer Bergtour das vom Blitz zerstörte hölzerne Vorgängerkreuz in den Felsen und fasste gemeinsam mit seinem Nachbarn, dem Schmied Josef Hell, den ehrgeizigen Plan, ein neues, ungleich beständigeres Kreuz aus Eisen zu errichten. Dessen Sohn, Franz Schaffner junior, packte bereits als tatkräftiger 16-jähriger Jugendlicher bei der unvorstellbaren Schinderei des Aufbaus im Sommer 1950 mit an und schleppte unter anderem an einem einzigen Tag 13-mal einen halben Zentner Zement von der Steinlingalm hinauf zum Gipfel. Als im Jahr 1974 mit Hermann Hell der letzte Nachfahre der Miterbauer-Familie Hell viel zu früh verstarb, ging die Verantwortung für die Wartung und Instandhaltung des exponierten Monumentes komplett und allein in die Hände der Familie Schaffner über. Nach dem Tod des Vaters am 6. Oktober 1981 blieb es für die nachfolgende Generation eine absolute Ehrensache, das Chiemgau-Kreuz jahrein jahraus, in Schuss zu halten , es zugänglicher zu machen, es zu pflegen und warten und stimmungsvoll zu beleuchten.
Wie tief verwurzelt diese Tradition und die Pflicht zur Bewahrung des großväterlichen Werks in der Familie verankert sind, zeigte sich auf schweißtreibendste Weise im heißen Sommer des Jubiläumsjahres 2001. Zum 50-jährigen Bestehen des Kreuzes machte sich ein fünfköpfiges Höslwanger Team an eine echte Knochenarbeit auf dem Gipfelgrat. Es galt, die massiven Metallkugeln – von denen jede stolze 30 Kilogramm auf die Waage brachte und die seit der Erbauung in Höslwang gelagert hatten – endlich am Kreuz zu montieren. An drei harten Arbeitstagen schafften es die Männer über einen eigens konstruierten Seilzug, die Kugeln dingfest zu machen und dem Kreuz im selben Zuge einen frischen Anstrich zu verpassen.
Für dieses lebenslange Engagement wurde die Familie 2001 mit einer Dankurkunde der Gemeinden Aschau und Höslwang sowie dem Ehrenzeichen des Bezirks Oberbayern ausgezeichnet.
Auch in den Folgejahren blieb der Tatendrang der Familie ungebrochen, um das historische Erbe mit moderner Technik zu verknüpfen. Im Jahr 2003 wurde ein visionäres Projekt in die Tat umgesetzt: Die dauerhafte Umstellung der Kreuzbeleuchtung auf umweltfreundlichen Solarstrom. In den ersten Jahrzehnten musste für jede nächtliche Beleuchtung zu besonderen Anlässen ein schweres Stromaggregat und ein 5‑Liter-Benzinkanister auf den Gipfel geschleppt werden – eine körperliche Meisterleistung, die nach 1976 allein von der Familie Schaffner bewältigt wurde. Seit 2003 gehört das Schleppen von Kanistern der Vergangenheit an, und die Beleuchtung kann seither ganz komfortabel per Funk vom eigenen Balkon aus aktiviert werden.
Franz Schaffner ist nach dem Tod seines Vaters Franz Schaffner jun. 2014 nach wie vor sehr aktiv engagiert für die Pflege und Wartung des Chiemgau-Kreuz. Für das 75. Jubiläum wurden alle Scheinwerfer, die das Kreuz nachts erstrahlen lassen, abmontiert und komplett restauriert. Das Kreuz erhielt einen neuen Anstrich, so das es zu seinem Jubiläum schöner denje auf dem Gipfel strahlt.
Auch heute noch arbeiten die Chronisten und Verantwortlichen der Region eng mit der Familie Schaffner als Partner zusammen, um die historischen Dokumente und Mosaikteile dieser einzigartigen Chronik respektvoll für die Zukunft zu bewahren.
