
Franz Schaffner senior
Neben Josef Hell war Franz Schaffner der wichtigste Protagonist rund um die Geschichte der Entstehung des Chiemgau-Kreuzes. Sie beginnt im Jahr 1948 mit einer Bergtour: Franz Schaffner wanderte damals mit seinen Kindern hinauf zum Gipfel der Kampenwand. Dort angekommen, bot sich ihnen ein trauriger Anblick – das alte hölzerne Gipfelkreuz lag zerstört am Boden. Laut dem Wirt der Gorialm war ein Blitzschlag der Grund dafür gewesen.
Zurück in Höslwang erzählte Schaffner seinem Nachbarn Josef Hell von der Entdeckung. Die beiden zögerten nicht lange und schmiedeten prompt den Plan, ein neues Kreuz zu errichten. Dieses neue Denkmal sollte zu Ehren für die Gefallenen und Vermissten, beider Weltkriege und an selber Stelle errichtet werden. Das Holzkreuz war damals den Opfern den ersten Weltkriegs gewidmet. Diesesmal jedoch entschied man sich für ein Kreuz, größer und mit Eisen haltbarer geschaffen.
Bei einer gemeinsamen Wanderung auf die Kampenwand wurde das Vorhaben von Sepp und Franz ordentlich durchgesprochen. Die ursprüngliche Höhe war eigentlich mit 4 Metern geplant. Doch als die beiden schließlich an der Steinlingalm unterhalb des Gipfels ankamen, war der Plan bereits auf gewaltige 12 Meter angewachsen.
Nur zwei Jahre später stand tatsächlich, nach unglaublicher Hilfe der befreundeten Söhne von Hell und Schaffner, vieler Unterstützer und den Chiemgauern das monumentale, zwölf Meter hohe neue Chiemgau-Kreuz auf dem Ostgipfel der Kampenwand.
Beide Höslwanger Männer hatten mit ihren vielen Mitstreiter ihren Traum vollbracht und dem Chiemgau damit ein Wahrzeichen errichtet. Franz Schaffner sen. durfte auch noch den Bau und die Einweihung der Steinlingkapelle erleben. Er verstarb am 06. Oktober 1981.
Was 1948 begann, ist für die Familie Schaffner bis heute eine Herzensangelegenheit. Mit unfassbarerem Engagement kümmerte sich sein Sohn Franz Schaffner jun., der mit den Söhnen des Kreuzerbauers Hells sen., Hermann und Hans schon aktiv das Kreuz gebaut und aufgestellt hatte, zeit seines Lebens mit Hingabe um den weiteren Ausbau der Infrastruktur und der Wartung des Kreuzes.
In den Anfangsjahren geschah dies noch in enger Gemeinschaft mit der Familie Hell. Als Hermann Hell jedoch 1975 tragisch bei einem Autounfall ums Leben kam, lag die unentgeltliche Pflege des Kreuzes allein in den Händen der Familie Schaffner.
Diese ehrenvolle Aufgabe wurde vom Sohn, mittlerweile an die dritte Generation, an den Enkel Franz Schaffner weitervererbt.
Der Enkel von Franz Schaffner ist heute selbst 67 Jahre alt und nach wie vor an vielen Wochenenden auf dem Gipfel anzutreffen – denn zu tun gibt es an einem solchen Monument immer etwas.
Die offiziellen Ehrungen, die der Kreuzbauer Schmied Josef Hell damals entgegennahm, waren stellvertretend immer auch ausdrücklich Franz Schaffner sen. und den vielen weiteren großartigen Unterstützern gewidmet.
Was die Familie Schaffner dankenswerterweise in den vergangenen 75 Jahren geleistet hat, um dieses Wahrzeichen des Chiemgaus zu erhalten, ist aller Ehren wert. Das Schönste daran: Ihr Elan für diese große Aufgabe ist bis heute ungebrochen.
