
Das Chiemgau-Kreuz. Ein Wahrzeichen des Chiemgaus.
Hoher Blickfang über der Region, Gedächtnis an die Opfer der Weltkriege aus dem Chiemgau, Mahnmal des Friedens und stolzes Wahrzeichen des Chiemgaus – das 12 Meter hohe Chiemgau-Kreuz auf dem Ostgipfel der Kampenwand ist weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Seine Entstehung in den kargen Nachkriegsjahren sowie der spätere Bau der dazugehörigen Gedächtniskapelle „Maria, Königin des Friedens“ erzählen vor allem eine Geschichte von tiefem Glauben, unbändigem Idealismus und einem generationsübergreifenden ehrenamtlichen Zusammenhalt der lokalen Bevölkerung.
Das heutige stählerne Chiemgau-Kreuz hatte einen hölzernen Vorgänger. Bereits im Jahr 1923 war auf dem Ostgipfel ein Holzkreuz als Mahnmal für die Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkriegs errichtet und vom damaligen Schlosskaplan von Hohenaschau, Monsignore Dr. Alois Röck, geweiht worden.
25 Jahre später, im Jahr 1948, entdeckte der Höslwanger Schreiner Franz Schaffner senior bei einer Bergtour mit seinen Kindern das alte Gipfelkreuz in einem trümmerhaften Zustand. Ein Blitzschlag hatte das hölzerne Mahnmal zerstört; es lag zerbrochen zwischen den Felsen. Der traurige Anblick ließ in Schaffner den festen Entschluss reifen, dass das Kreuz ersetzt werden müsse.
Zurück in Höslwang, seinem Heimatdorf, teilte Franz Schaffner senior die Beobachtung mit seinem Nachbarn, dem damals 65-jährigen Schmiedemeister Josef Hell (bekannt als der „Schmied Sepp“). Dessen Schmiede lag direkt gegenüber der Schreinerei. Gemeinsam mit den Söhnen beider Familien war schnell ein kühner Plan geschmiedet: Ein neues Kreuz musste her – diesmal jedoch nicht aus vergänglichem Holz, sondern aus dauerhaftem und beständigem Eisen.
Die Nachkriegszeit war von akutem Materialmangel geprägt, was den Bau zu einer logistischen Meisterleistung machte. Josef Hell bewies enormen Erfindergeist und nutzte größtenteils Alteisen.
Die Balkenkonstruktion wurde überwiegend aus auseinandergeschnittenen Sauerstoffflaschen zusammengeschweißt.
Für den massiven, tragenden Sockel zerteilte der Schmiedemeister die Stahlplattenreste eines alten Panzers.
Anfänglich nur auf vier Meter Höhe ausgelegt, wuchs das Vorhaben in den Planungen rasch zu einem monumentalen Projekt heran: Allein der Stamm sollte den Gipfelfelsen inklusive des Sockels um zwölf Meter überragen, bei einer Querbalkenbreite von dreieinhalb Metern.
Schon 1949 waren die Teile des Kreuzes soweit fertig, dass sie nach Aschau und von dort in einem unglaublichen, abenteuerlichen Kraftakt auf den Gipfel transportiert wurden. 1950 musste alles, was für das Fundament benötigt wurde, von Hand auf den Gipfel transportiert werden. Jeder Zementsack, Sand, Wasser, Schalungsbretter, Werkzeug und vieles mehr. Eine schier unfassbare menschliche Leistung. Die Freude war riesig, als das Kreuz nach der Messe bei der Steinlingalm am 24. September 1950 um 12.00 Uhr mittags aufgestellt wurde. Knapp ein Jahr später, am 26. August 1951, wurde das Chiemgau-Kreuz dann feierlich geweiht.
Ein exaktes Anschauungsmodell, das Josef Hell damals anfertigte, ist noch heute im Höslwanger Rathaus zu bewundern. Insgesamt investierten der Schmiedemeister und seine Helfer im Sommer 1949 rund 2.000 unentgeltliche Arbeitsstunden in die Fertigstellung der Kreuzteile.
Wer sich für die spannende Entstehungsgeschichte des Kreuzes und die Protagonisten interessiert, dem legen wir ans Herz, unter dem Button Historie den Zeitstrahl oder die Personen mit vielen detaillierten Informationen und Bildern zu entdecken.
