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Donat Müller

Wolf­gang Bude, der ehe­ma­li­ge Lei­ter der Tou­rist-Info Aschau, Grün­der und lang­jäh­ri­ger zwei­ter Vor­sit­zen­der des Hei­mat- und Geschichts­ver­eins Aschau, schrieb in sei­ner Bro­schü­re zum 50. Jubi­lä­um des Chiem­gau-Kreuzes eine wun­der­ba­re und span­nen­de Geschich­te, die wir Ihnen nicht vor­ent­hal­ten wol­len. Die Prot­ago­nis­ten die­ser auf­re­gen­den Anek­do­te zur Anfangs­zeit des Chiem­gau-Kreuzes der 50er-Jah­re, sind die befreun­de­ten Söh­ne der Kreu­zer­bau­er, Her­mann Hell und Franz Schaff­ner und ihr „Ret­ter“, dem dama­li­gen Bewirt­schaf­ter der Stein­lin­g­alm Donat Mül­ler.

Geschich­te von Wolf­gang Bude:

Der „Schmie­dei“ und der Schaff­ner Franz
„Win­ter­aus­flug zum Gip­fel­kreuz“
„Oamoi hätts uns boid dawischt, ins zwoa, do warn ma boid eigan­ga“, erzählt der Schaff­ner Franz von einem Aben­teu­er, das er mit dem Hell Her­mann, dem „Schmie­dei“ ein paar Jah­re nach dem Bau des Chiem­gau­kreuzes auf der Kam­pen­wand erleb­te.
Der Mül­ler Donat von Hohen­aschau bewirt­schaf­te­te zu sel­bi­ger Zeit noch die Stein­lin­g­alm. Eines Tages, es war schon Win­ter, schrieb er dem Hell, dass am Gip­fel­kreuz etwas nicht stim­me; wahr­schein­lich sei eine Ver­an­ke­rung geris­sen. „Und mim Schmie­dei bist ja nia wei­d­ak­em­ma“, mein­te der Franz. So wur­de es vier Uhr Nach­mit­tag, bis die bei­den mit dem Motor­rad vom Her­mann nach Aschau hin­ein fuh­ren. Es schnei­te an die­sem Sams­tag und es war kalt und glatt. Gegen fünf Uhr war es bereits fins­ter, als die bei­den anfin­gen durch den Schnee in Rich­tung Kam­pen­wand los­zu­stap­fen. Es muß so etwa auf der Höhe vom Kal­ten Was­ser! (hal­be Höhe) gewe­sen sein, da schnei­te es so stark, dass sie mit der Zeit die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren und trotz hun­der­ten von Kam­pen­wand­be­ge­hun­gen nicht mehr wuss­ten, wo sie waren. „Gfrorn hod uns zum Vare­cka. Und i hob damois so lan­ge Haar ghabt. De san mia ins Gsicht eini gfrorn, dass i boid gor nix mehr gsegn hob“. Der Schmie­dei war aber immer noch zuver­sicht­lich, dass sie es bald geschafft haben. „Des kriagn ma scho“, mein­te er.
So lie­fen sie wei­ter und wei­ter und der Mut ver­ließ sie mit zuneh­men­der Käl­te. Inzwi­schen war es stock­dunk­le Nacht gewor­den. Schließ­lich fan­den sie unter tief hän­gen­den Fich­ten­äs­ten etwas Schutz und ruh­ten sich, der Erschöp­fung nahe, aus. Sie fro­ren fürch­ter­lich und die Hän­de und Füs­se began­nen gefühl­los zu wer­den. Hun­ger stell­te sich ein. Da fiel dem Schmie­dei ein, dass er eine Büch­se Dosen­milch ein­ge­steckt hat­te. Beim Ver­such, die­se mit der Spit­ze sei­nes Ski­ste­ckens auf­zu­ste­chen, kugel­te sie in den Schnee und lief aus. Das trug in die­ser Situa­ti­on nicht gera­de zur Erhei­te­rung bei.
„Schlaf ma fei ja ned ei, sunst daf­riea ma“, rede­te mir der Her­mann immer wie­der ins Gewis­sen. Dabei wäre es so schön gewe­sen, die Augen zu schlie­ßen und der Müdig­keit frei­en Lauf zu las­sen.
Auf ein­mal wur­de es lich­ter. Der Mond kroch über den Sui­ten und spen­de­te sein kal­tes Licht. Der Schnee­fall hat­te nach­ge­las­sen und plötz­lich sahen sie sche­men­haft in nur etwa 100 m Ent­fer­nung die Schlech­ten­bergalm vor sich lie­gen. „Do brech ma jetzt ein­fach ei“, mein­te der Schmie­dei ent­schlos­sen, „jetzt mog i nim­ma!“
Bis sie jedoch so rich­tig bei der tief ver­schnei­ten Alm anka­men, ent­schlos­sen sie sich, da es nun hel­ler war, das letz­te Stück bis zur Stein­lin­g­alm zu mar­schie­ren. Es war 5 Uhr früh, als sie den Mül­ler Donat aus den Federn hol­ten und die­ser die bei­den mit einer „Schnaps­kur“ zurück ins Leben hol­te. „Und dann“, so der Schaff­ner Franz, „dann hob i so lang gschla­fa wia no nia in meim ganzn Leben!“ Bis Diens­tag früh schlie­fen sie, total erschöpft und nicht mehr wach zu bekom­men in der Alm. Erst nach die­ser Erho­lungs­pau­se fan­den sie Zeit auf den Gipfel zu stei­gen, um nach­zu­schau­en, was mit den Hal­te­run­gen sein könn­te. Es war auf alle Fäl­le so gering­fü­gig, dass es die­se Stra­pa­zen nicht gebraucht hät­te.
Am Frei­tag erst kehr­ten sie von ihrem „Aus­flug“ zurück nach Höslwang, wo sie schon fast als ver­misst gal­ten. Die Ange­hö­ri­gen mach­ten sich seit Tagen Sor­gen um sie, denn damals gab es weder eine Tele­fon­ver­bin­dung zur Alm noch ande­re Mit­tel zur kurz­fris­ti­gen Ver­stän­di­gung. Am Sonn­tag bekam dann jeder der bei­den Freun­de zur Fei­er des Tages eine But­ter­crem­tor­te geschenkt, was schon sehr außer­ge­wöhn­lich für Anfang der Fünf­zi­ger Jah­re war. So groß war die Freu­de über ihre gesun­de Rück­kehr.