
Die Kapelle — von der Planung bis zur Umsetzung 1975
Auf der baumlosen, grünen Anhöhe östlich der Steinlingalm stand von jeher ein Feldkreuz (Marterl). An genau dieser Stelle, so betonte Josef Hell noch auf seinem Sterbebett, müsse einmal eine Kapelle gebaut werden, damit der Berggottesdienst für die Gefallenen des Chiemgaus einen würdigen Rahmen erhält. Diesen Wunsch hegte er bereits seit der Errichtung des Chiemgau-Kreuzes auf dem Ostgipfel der Kampenwand. Es sollten jedoch fast 25 Jahre vergehen, bis sein Wunsch in Erfüllung gehen konnte. Der Kreuzbauer Josef Hell selbst erlebte die Umsetzung leider nicht mehr, da er am 20. Februar 1965 verstarb. Er hatte jedoch bereits im Jahr 1960 aus einer Linde bei Höslwang für die Kapelle eine Marienstatue schnitzen lassen. Diese sollte später als „Königin des Friedens“ ihren festen Platz in der Gedächtniskapelle finden.
Obwohl das Thema immer wieder diskutiert wurde, nahm das Vorhaben erst am 14. September 1975 konkrete Formen an – direkt nach der Gedenkmesse, die in jenem Jahr vom Veteranenverein und der Gemeinde Prutting ausgerichtet worden war. Im Anschluss an die Feierlichkeit kam das Gespräch erneut auf den Kapellenbau, insbesondere im Hinblick auf das anstehende Jahr 1976, in dem sich die Errichtung des Chiemgaukreuzes zum 25. Mal jähren würde. Man war sich einig, dass es an der Zeit sei, dem Wunsch des Erbauers zu entsprechen. Auch Peter Bichl aus Bernau brachte das Thema bei der Versammlung des Chiemgau-Alpenverbandes in Amerang ein und stieß auf große Zustimmung: Die Trachtler erklärten sich spontan bereit, eine Glocke für die entstehende Kapelle zu stiften.
Die Organisation übernahmen daraufhin Bürgermeister Stefan Rieplhuber aus Höslwang und Bürgermeister Karl Bauer aus Aschau, die gemeinsam einen Arbeitskreis bildeten. Dem Gremium gehörten neben den beiden Bürgermeistern folgende Personen an: MdL Franz Neubauer, Landrat Georg Knott, Baudirektor Peter Frank und Helmut Loose vom Landratsamt, Hans Hell und Franz Schaffner aus Höslwang, Pfarrer Nikolaus Deschler aus Aschau, Günter Altmann, Kreisvorsitzender der Veteranen- und Soldatengemeinschaft, Siegfried Simmet von der Verwaltung Cramer-Klett als Grundeigentümer, Ing. Franz Zbil von der Kampenwandbahn, Josef Müller von der Steinlingalm, Peter Bichl aus Bernau, Toni Feistl für den Chiemgau-Alpenverband, Bürgermeister Ludwig Thuspaß aus Prutting sowie Schorsch Noichl und Kaspar Öttl als Mitarbeiter der Gemeinde Aschau i.Chiemgau.
Am 30. Oktober 1975 traf sich der Arbeitskreis zu einer Ortsbesichtigung auf der Steinlingalm und legte den endgültigen Standort am Kreuz östlich der Alm fest. Die Trägerschaft für das Bauprojekt übernahmen die Gemeinden Höslwang und Aschau i.Chiemgau Für die Planung und Bauleitung war der Kreisbaudirektor Peter Frank verantwortlich, der sich in der Folgezeit ebenfalls stark für die Realisierung einsetzte.
Der damalige Landrat Georg Knott bat einige Mitarbeiter aus dem Kreisbauamt um Entwürfe, wie die Kapelle aussehen könnte. Aus den vorliegenden Plänen entschied man sich schlussendlich für den von Peter Frank, der dann weiter ausgearbeitet wurde. Am 6. Februar 1976 stimmte der Arbeitskreis dem zweiten Planentwurf von Frank zu und beriet über die voraussichtlichen Kosten. Die Architektur der Kapelle sollte sich so einfügen, als hätte das Gebäude schon immer dort gestanden. Geplant war ein Raum für einen kleinen Altar, die Madonna und eine kleine Glocke. Das Mauerwerk sollte aus Bruchsteinen des Staffelsteins auf der Kampenwand errichtet, das Dach mit Schindeln gedeckt und für den Fußboden Klinkersteine verwendet werden. Im Oval der Ostseite wurde zudem ein Fenster eingeplant.
