
Der beschwerliche Transport auf den Gipfel 1949
Die Kreuzteile lagerten am Verladebahnhof in Niederaschau. Der damals 19-jährige Pauli Kink holte im Spätsommer die Teile mit seinen zwei Mulis ab und machte das Gespann für den beschwerlichen Weg bereit. In einer Art Festzug ging es hinauf nach Hohenaschau. Er hatte nach einem Gespräch zwischen Josef Hell und seinem Vater den Auftrag erhalten, das Kreuz so weit wie möglich auf den Berg zu bringen. Als Lohn wurden „währungsfrische“ 5,00 DM pro Zentner vereinbart; der Stundenlohn betrug 1,00 DM.
Der Transport über den schmalen, steilen und windungsreichen alten Ziehweg zur Steinlingalm war eine enorme Herausforderung und die einzige Möglichkeit das Kreuz zu transportieren. Es gab weder Hubschrauber, Seilbahnen noch ausreichend breite Wege für größere Fahrzeuge. Die Mulis mussten teilweise hintereinandergespannt werden. Nur dank Muskelkraft und etlicher Begleiter – wie Lois Lederer (Haindorf) und Toni Scheicher (Toni Osterhammer, Aufham) – gelang es in einer guten Woche, das Material bis zur Latschengrenze oberhalb der Steinlingalm zu schleppen.
Unterdessen verankerten die Höslwanger auf dem Gipfelfelsen eine Seilwinde mit einem 2‑PS-Sachs-Motor. Um die Eisenteile den steilen Hang hinaufzubringen und die senkrechten Felsen zu überwinden, mussten rund 400 Meter Seile aus Aschau herbeigeschafft werden. Freiwillige wie der Spätheimkehrer Bruno Mnich liefen dafür dreimal täglich den anstrengenden Weg. Stück für Stück wurde das Material, teilweise auf Eisenrutschen, bis an die Felswand geschleift.
Für den finalen Aufzug errichteten die Männer auf dem Gipfel eine Galgen-Konstruktion mit einem Seilzug. Pauli Kink war dankbar für die vielen freiwilligen unterstützenden Helfer wie zum Beispiel aus Aschau Lois Lederer (Alois Schmid) und Toni Scheicher (Gemeinde Niederaschau) sowie Franz Weinzierl, der „oid Kurz“ und Luck Rieder (Gemeinde Hohenaschau) und viele Weitere ohne deren Hilfe dieses schwierige Unterfangen nicht funktioniert hätte. Mit dem motorisierten Seilzug und purer Körperkraft wuchteten sie das schwere Material frei schwebend über dem Abgrund nach oben, während Helfer mit Brecheisen ein Verfangen am Fels verhinderten. Wie extrem die Belastung war, zeigt ein Zwischenfall, bei dem sich der Windenmotor so erhitzte, dass er Feuer fing. Mangels Wasser löschten einige Männer die Flammen indem sie darauf bieselten, bevor Franz Weinzierl oder Pauli Kink das Feuer endgültig mit einer Jacke ersticken konnten.
Gerade noch rechtzeitig vor dem Wintereinbruch war dieser anstrengende und sehr gefährliche Kraftakt vollbracht: Dank zahlreicher Helfer aus vielen Chiemgau-Gemeinden – besonders aus Höslwang und Pittenhart, die vor allem an den Wochenenden unermüdlich mit anpackten – waren alle Kreuzteile auf den Gipfel geschafft worden.
