
Familie Schaffner: Großartiges ehrenamtliches Engagement seit drei Generationen
Seit nunmehr 75 Jahren ragt das monumentale Gedenkkreuz auf der Kampenwand in den Himmel.
Es waren zwei Höslwanger Männer mit ihren Söhnen, die nach dem Zweiten Weltkrieg die enorme Anstrengung auf sich nahmen, dieses Kreuz zu fertigen und mit der großartigen Hilfe vieler weiterer Männer aus dem Chiemgau auf dem Gipfel aufzustellen.
Neben dem Kreuzbauer Josef Hell war es vor allem Franz Schaffner senior, der die ganze Geschichte nach einem Kampenwandbesuch mit seinen Kindern ins Rollen brachte: Er schmiedete mit seinem Nachbarn den Plan, das kaputte hölzerne Vorgängerkreuz zu ersetzen.
Sein Sohn, Franz Schaffner junior, packte schon als 16-Jähriger tatkräftig mit an, als sein Vater die Errichtung des Gipfelkreuzes als echtes Herzensanliegen und tiefes Glaubensbekenntnis vorantrieb. Dieses Engagement sollte der Sohn auch nach dem Tod seines Vaters am 6. Oktober 1981 ein Leben lang beibehalten.
Nachdem der Sohn von Josef Hell im Jahr 1974 leider viel zu früh verstorben war, lag die Wartung und Instandhaltung des Kreuzes komplett in den Händen der Familie Schaffner. Bis heute führt sie diese Aufgabe mit hohem persönlichen und auch finanziellen Einsatz leidenschaftlich fort.
Die Chiemgau Zeitung schrieb 2001 dazu: „Dass dieses weithin sichtbare Wahrzeichen über die Jahrzehnte erhalten bleibt, ist keine Selbstverständlichkeit”. „Jedes Jahr gibt es bei diesem großen Bauwerk an so exponierter und wetterausgesetzter Stelle vielerlei Pflegearbeiten. Dass diese wie selbstverständlich von unseren Leuten wahrgenommen werden, soll auch einmal gewürdigt werden“, betonte Höslwangs Bürgermeister Andreas Hintermayr stolz. Nach dem feierlichen Gottesdienst zum 50-jährigen Jubiläum fand er anerkennende Worte für diese gelebte Tradition. Weiter schrieb die Zeitung damals, dass es in Höslwang bereits seit einem halben Jahrhundert Ehrensache sei, das Kreuz jahraus, jahrein in Schuss zu halten.
Für seinen unermüdlichen Einsatz und das unfassbare ehrenamtliche Engagement bei den Pflege- und Renovierungsarbeiten seit der Geburtsstunde des Kreuzes durfte sich Franz Schaffner im Jahr 2001 über zwei besondere Auszeichnungen freuen: Er erhielt eine Dankurkunde der Gemeinden Aschau und Höslwang sowie das Ehrenzeichen des Bezirks Oberbayern. Eine Ehre, die Schaffner bescheiden und stellvertretend für die vielen weiteren Helfer annahm, die in den vergangenen 50 Jahren tatkräftig Hand angelegt hatten.
Wie lebendig diese Tradition ist, bewies dann die handfeste und im wahrsten Sinne des Wortes schweißtreibende Aktion zum großen 50. Jubiläum im Jahr 2001. Fünf Höslwanger machten sich daran, die bereits vor 50 Jahren geschaffenen Metall-Kugeln endlich am Gipfelkreuz anzubringen. Eine echte Knochenarbeit bei hochsommerlichen Temperaturen, denn jede einzelne Kugel brachte stolze 30 Kilogramm auf die Waage.
Mit einem eigens zusammengestellten Seilzug schafften es die Männer – Hans Loipl, Andreas Fischer, Markus Künzner, Markus Mayer, Franz Schaffner junior und Franz Schaffner senior – an drei harten Arbeitstagen, die Kugeln anzubringen. Im Zuge dieser Arbeiten verpassten die Höslwanger dem gesamten Kreuz auch gleich noch einen frischen Anstrich.
Damit schloss sich nach fünf Jahrzehnten ein Kreis: Das Kampenwandkreuz hat nun endlich das Gesicht erhalten, wie es schon vor 50 Jahren vorgesehen und nun fertiggestellt war.
